In der Evangelischen Kirchengemeinde Jöhlingen habe wir eine Sammelbox für Spenden an die Brettener Tafel aufgestellt.
Haltbare Lebensmittel, aber auch Drogerieprodukte, Schreibwaren und anderes können sonntags zum Gottesdienst mitgebracht oder unter der Woche im Pfarrbüro abgegeben werden. Wir freuen uns über jede Spende.
Vielen Dank!
Ein ganz persönliches Statement
Ralf Schultze
An einem Mittwochmorgen um 8:00 gehe ich gut gelaunt in den Brettener Tafelladen, um zunächst von der Leiterin Cornelia Kaiser, die ebenfalls gut aufgelegt ist, begrüßt zu werden, bevor sie meinen Kollegen Jürgen und mich vor unserer ersten Runde als Fahrer bzw. Beifahrer mit Informationen versorgt, falls z.B. ein außerplanmäßiges Ziel anzufahren ist.
Die gelernte ehemalige Fleischereifachverkäuferin Conny mag ihre Tätigkeit als "Chefin" – das Wort hört sie nicht so gern –denn sie sagt dazu:
"Was kann mir Besseres passieren, als dass die meisten meiner Mitarbeitenden hier sind, weil sie es wollen, weil sie einen Sinn in ihrer jeweiligen Tätigkeit sehen und dafür nicht mal bezahlt werden wollen."
Von der leeren zur vollen Kiste
Wir laden genügend Kisten in den neuerworbenen Ford Transit mit Kühlaggregat - finanziert mit 50.000 EUR aus einer Sonderförderung der Deutschen Fernsehlotterie -, um dann verschiedene Supermärkte zwischen Berghausen und Maulbronn anzufahren, die bekannten Namen Rewe, Edeka, Aldi, Lidl, Penny sind alle vertreten.
Die Ausbeute fällt von Tag zu Tag unterschiedlich aus mit eher abnehmender Tendenz, denn die Bestellungen im Supermarkteinkauf werden immer präziser, so dass dort weniger aussortiert wird. Allerdings sind einige Märkte doch recht großzügig und lassen uns oft sehr frische und gute Ware zukommen, was man dann durchaus als Spende bezeichnen darf. Die Marktangestellten begegnen uns meist sehr freundlich, oft ist auch mal Zeit für kurzes nettes Gespräch.
Aber nicht nur die Märkte, auch die Bäckereien Thollembeek und Leonhardt und der Partyservice Kratzmeier versorgen uns mit hochwertigen Lebensmitteln.
Aussortieren und dennoch Müll vermeiden
Zurück in der Tafel: Wir laden aus, Nadim und Lewi bringen die Ware von der Rampe zum Sortierraum, wo sich eifrige Frauen – manchmal auch der eine oder andere Mann – sofort an die Arbeit machen und alles genau anschauen und sortieren. Was nicht für den Verkauf im Tafelladen geeignet ist, landet in Kübeln, die wir später zum Teil zum Brettener Tierpark bringen - dort werden die welken aber nicht verdorbenen Salatköpfe, Bananen, Gurken, Karotten, Paprikaschoten aber auch trockenes Brot etc. an die Tiere verfüttert. Was die Tiere nicht fressen sollten, z.B. Zitrusfrüchte oder Verdorbenes, wird entweder zur Biogasanlage des Staighofes in Heidelsheim oder zur Grünabfallsammelstelle in Bretten gebracht. So wird vieles noch anderweitig verwertet und landet nicht im Müll.
Ohne Ehrenamt würde es nicht gehen
In der Tafel sind die meisten der etwa 40 Mitarbeitenden, darunter auch mehrere Ukrainerinnen, ehrenamtlich tätig. Lediglich die Tafelleiterin und ihre Stellvertreterin - momentan ist die Stelle vakant - sowie zwei weitere Angestellte haben einen Arbeitsvertrag mit der Trägerin der Tafel, der Diakonie im Landkreis Karlsruhe. Dazu kommen i.d.R. noch ein oder zwei junge Menschen, die ihren Bundesfreiwilligendienst in der Tafel absolvieren.
Wenn dann alles in die Regale sortiert ist und der Tafelladen öffnet, läuft ein anderes Programm. Die Kunden mit Einkaufsberechtigung dürfen während des ihnen vorher zugewiesenen Zeitfensters einkaufen. Damit es immer möglichst genug für alle gibt, wird am Band vor der Kasse geschaut, ob die eingekaufte Menge für die jeweilige Haushaltsgröße angemessen ist, da muss dann auch schon mal etwas dagelassen werden. Es wird nichts verschenkt, der Preis entspricht etwa einem Drittel des üblichen Verkaufspreises. Aber deshalb müssen auch in Tafelläden Mindestanforderungen an Frische und Haltbarkeit erfüllt werden.
Immer donnerstags von 17:00 bis 19:00 nehmen weitere Ehrenamtliche Lebensmittelspenden von privaten Spendern entgegen – ebenfalls ein wichtiges Standbein für das Warenangebot der Tafel.
Am frühen Nachmittag endet unsere Tour damit, dass wir die Kübel reinigen. Dafür dürfen wir dankenswerterweise die stationäre Reinigungsstation der Brettener Feuerwehr nutzen.
Ein gutes Gefühl
Warum tue ich das? Es ist das Gefühl, ein wenig Zeit mit einer handfesten Tätigkeit für eine gute Sache zu geben – Lebensmittel "retten" und bedürftigen Menschen helfen. Der freundliche, kollegiale und humorvolle Umgang miteinander, ein kleines Schwätzchen zwischendurch, sei es während der Fahrten oder in der Tafel bei der Kaffeepause, tragen dazu bei, dass ich nach jedem Tafel-Tag zufrieden und so gut gelaunt, wie ich gekommen bin, nach Hause gehe. Und nicht zuletzt trägt die hohe Wertschätzung, die uns von der Tafelleitung entgegengebracht wird und überhaupt nicht selbstverständlich ist, zu diesem gesunden Arbeitsklima bei.
Mithelfen? Gerne!
Sie haben Interesse, auch mal ´reinzuschnuppern, sei es zum Sortieren oder als (Mit)Fahrer/-in? Dann schauen Sie einfach vormittags im Laden vorbei oder informieren Sie sich unverbindlich per Mail oder telefonisch - Kontaktdaten am Ende dieses Artikels.
Geldspenden werden für die Infrastruktur der Tafel und den Betrieb der beiden Kühlfahrzeuge verwendet.